Sonntag, 5. April 2026

5.4.2026: Der Anleger, der sein Depot für einen Terminkalender hielt

Herr Möller war überzeugt, dass Timing alles sei. Nicht nur an der Börse, sondern im Leben generell. Er hatte einen Kalender für Meetings, einen für private Termine und – ganz neu – einen für sein Depot.

Jede Aktie bekam bei ihm einen festen Platz im Tagesablauf.
Montags schaute er nach Technologie. „Die starten träge in die Woche“, erklärte er fachkundig.
Dienstags waren Industrieaktien dran. „Die brauchen Anlauf.“
Mittwochs ließ er grundsätzlich alles in Ruhe. „Marktmitte. Da passiert eh nichts.“

Besonders ernst nahm er den Freitag. Freitags wurde nichts gekauft. „Da will doch jeder nur ins Wochenende“, sagte er und schloss vorsorglich jede Börsen-App, sobald jemand im Büro „Feierabend“ sagte.

Einmal kaufte er eine Aktie nur deshalb nicht, weil er an dem Tag schon einen Zahnarzttermin hatte.
„Zu viel Aufregung“, entschied er. „Das passt heute nicht mehr rein.“

Als eine Position stark fiel, schaute Herr Möller nicht auf den Kurs, sondern auf die Uhr.
„Ah“, murmelte er, „klar. Kurz vor Mittag. Da ist jeder nervös.“

Seine Freunde fragten ihn irgendwann, ob er denn nie spontan handle.
Herr Möller lachte. „Spontanität ist was für Hobbys. Das hier ist Organisation.“

Am Jahresende war sein Depot weder besonders gut noch besonders schlecht gelaufen. Dafür konnte er zu jeder Aktie genau sagen, *wann* sie ihm Probleme gemacht hatte.

Er schloss den Kalender, legte das Handy weg und sagte zufrieden:
„Für heute ist Börse erledigt. Morgen wieder. Ab neun.“

5.4.2026: Der Anleger, der sein Depot für einen Terminkalender hielt

Herr Möller war überzeugt, dass Timing alles sei. Nicht nur an der Börse, sondern im Leben generell. Er hatte einen Kalender für Meetings, e...