Sonntag, 8. Februar 2026

8.2.2026: Der Anleger, der sein Depot nach Gefühl managte

Herr Richter war überzeugt: Zahlen sind gut. Analysen sind wichtig. Aber das Wichtigste an der Börse ist das Bauchgefühl. Und seines war äußerst gesprächig.

Jeden Morgen setzte er sich mit Kaffee an den Tisch, öffnete seine Börsen-App und fragte sich ernsthaft:
„Wie fühlt sich der Markt heute für mich an?“

Wenn er gut geschlafen hatte, kaufte er.
Wenn der Kaffee zu heiß war, verkaufte er.
Wenn seine Katze ihn ignorierte, ging er defensiv.

Eines Tages fühlte sich alles besonders optimistisch an. Die Sonne schien, das Brot war frisch, der Kaffee perfekt. Herr Richter lächelte.
„Heute ist ein Kauf-Tag“, sagte er feierlich – und investierte in eine Aktie, deren Namen er nicht aussprechen konnte, aber die ein sehr sympathisches Logo hatte.

Am nächsten Tag fiel die Aktie um zehn Prozent. Herr Richter blieb ruhig.
„Der Markt hatte wohl einfach schlechte Laune“, erklärte er verständnisvoll.

Zwei Tage später stieg sie um zwölf Prozent. Herr Richter nickte zufrieden.
„Siehst du, ich hab’s doch gefühlt.“

Von da an führte er ein kleines Börsentagebuch:
– Montag: Bauch zwickt – nichts kaufen.
– Dienstag: Gute Laune – Tech.
– Mittwoch: Magen leer – lieber Cash.
– Donnerstag: Pizza gegessen – Risiko!

Seine Freunde fragten irgendwann vorsichtig:
„Sag mal, hast du auch eine Strategie?“

Herr Richter antwortete stolz:
„Natürlich. Emotionale Diversifikation.“

Am Jahresende stellte er fest: Seine Rendite war exakt so stabil wie seine Stimmung. Mal hoch, mal runter, insgesamt überraschend menschlich.

Er lehnte sich zurück, trank seinen Kaffee und sagte zufrieden:
„An der Börse kann man viel verlieren. Aber mein Bauchgefühl ist immer noch da. Und das ist unbezahlbar.“

Moral der Geschichte:
Man kann an der Börse alles analysieren – aber am Ende entscheidet oft doch der Magen. Und der hat selten ein Bloomberg-Terminal.

Sonntag, 1. Februar 2026

1.2.2026: Der Anleger, der sein Depot wie das Wetter behandelte

Herr Brandt war überzeugt, dass man an der Börse vor allem eines brauche: **Flexibilität**. Schließlich passe man ja auch seine Kleidung dem Wetter an. Warum also nicht das Depot?

An einem Montagmorgen schaute er aus dem Fenster. Grau, Nieselregen, 6 Grad.
„Defensives Umfeld“, murmelte er fachmännisch und schichtete sein Depot um. Versorger rein, Tech raus, ein bisschen Gold zur seelischen Wärme. „Regenmarkt“, nannte er das Konzept.

Dienstag: Sonne. Blauer Himmel. Gute Laune.
„Risk-on!“, rief Herr Brandt begeistert, zog symbolisch die Sonnenbrille auf und kaufte alles, was Wachstum versprach. KI, Cloud, irgendwas mit Zukunft im Namen. Die Versorger verkaufte er. „Braucht man bei Sonnenschein nicht.“

Mittwoch: Sturmwarnung.
Herr Brandt googelte „Börse stürmisch heute?“ und fand prompt einen Kommentar über „zunehmende Marktvolatilität“. Das reichte. Er ging all-in Cash. Sicherheit geht vor. Man weiß ja nie, ob’s hagelt.

Donnerstag: Mild, freundlich, leicht bewölkt.
„Seitwärtsphase“, entschied er und baute ein ausgewogenes Portfolio auf. Halb defensiv, halb offensiv, ein bisschen von allem. „Frühlingsdepot“, nannte er es stolz.

Freitag: Hitze. 30 Grad.
Herr Brandt schwitzte, sein Depot auch. „Überhitzung!“, schloss er messerscharf und verkaufte panisch. Am Nachmittag startete der Markt eine kleine Rallye. Herr Brandt stand derweil im Baumarkt und kaufte einen Ventilator. Prioritäten.

Am Wochenende zog er Bilanz. Viele Trades, wenig Gewinn, aber ein gutes Gefühl.
„Ich war immer vorbereitet“, sagte er zufrieden. „Kein Markt hat mich überrascht.“

Am Montag darauf regnete es wieder. Herr Brandt öffnete die App, seufzte – und begann von vorn.

Moral der Geschichte:
Wer sein Depot täglich dem Wetter anpasst, braucht keinen Wetterbericht mehr. Aber vielleicht einen Regenschirm für die Rendite.

Sonntag, 25. Januar 2026

25.1.2026: Der Anleger, der sein Depot auf Diät setzte

Herr Sommer beschloss an einem Montagmorgen, dass nicht nur sein Körper, sondern auch sein Depot eine Diät brauche. Zu viele Positionen, zu viele Ideen, zu viel Ballast. „2025 wird minimalistisch“, sagte er entschlossen und öffnete seine Börsen-App mit der Ernsthaftigkeit eines Fitnessstudio-Neulings im Januar.

Sein Plan war einfach: Alles Überflüssige raus, nur noch starke Werte rein. Keine Snacks mehr in Form von Nebenwerten, keine heimlichen Optionsscheine nach 22 Uhr, kein emotionales Nachkaufen aus Frust. Ein schlankes, durchtrainiertes Depot sollte es werden.

Er begann motiviert. Verkaufen klickte sich erstaunlich leicht. „Das brauch ich nicht.“ Weg. „Das hab ich eh nie verstanden.“ Weg. „Das hatte mir mal jemand im Taxi empfohlen.“ Sofort weg. Nach zwanzig Minuten war sein Depot so übersichtlich, dass er kurz dachte, die App sei abgestürzt.

Zufrieden lehnte er sich zurück. „So fühlt sich Disziplin an.“

Am Nachmittag meldete sich der Markt. Genau die Aktie, die er morgens rausgeworfen hatte, sprang um zwölf Prozent nach oben. Herr Sommer reagierte gelassen. „Ich bleibe stark“, sagte er laut. Zehn Minuten später sprang sie weitere fünf Prozent. Seine Gelassenheit bekam einen leichten Muskelkater.

Am Abend dann der nächste Schlag: Ein anderer verkaufter Wert wurde von einem Großkonzern übernommen. Kursplus: dreißig Prozent. Herr Sommer starrte auf den Bildschirm, als hätte ihm jemand heimlich Schokolade unter den Salat gemischt.

„Das ist nur Wassergewicht“, murmelte er sich selbst zu, während er bereits überlegte, ob ein schneller Wiedereinstieg nicht doch sinnvoll wäre. Rein rational natürlich. Ganz kontrolliert.

Um 21:48 Uhr kaufte er die Aktie zurück. Teurer als verkauft. Kurz darauf fiel der Kurs leicht. Herr Sommer nickte wissend. „Typisch Jojo-Effekt.“

Am nächsten Morgen war sein Depot wieder so voll wie vorher. Nur teurer. Dafür hatte er eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Diäten funktionieren an der Börse ungefähr so gut wie nach Weihnachten.

Moral der Geschichte:
Ein schlankes Depot ist ein schönes Ziel. Aber wie bei jeder Diät gilt: Der schwierigste Teil ist nicht das Abnehmen – sondern das Durchhalten, wenn andere gerade Kuchen essen und reich werden.

Sonntag, 18. Januar 2026

18.1.2026: Der Jahresanfangsfonds, der schon am zweiten Tag Urlaub brauchte

Herr Meier liebte Statistiken. Besonders die, die bewiesen, dass der Jahresanfang an der Börse etwas Magisches hatte. „Wie man ins Jahr startet, so endet es“, sagte er gern – und ignorierte dabei konsequent die letzten zwölf Jahre seines Depots.

Am 2. Januar um 9:01 Uhr eröffnete er deshalb feierlich einen neuen Fonds in seinem Kopf: den **„Jetzt-aber-wirklich-alles-besser“-Fonds**. Die Strategie war klar, sauber und absolut wasserdicht: nur Qualitätsaktien, langfristig, ruhig, besonnen. Keine Zockerei. Kein Hype. Keine Bauchentscheidungen. So der Plan.

Um 9:07 Uhr las er die erste Schlagzeile:
„Neue Mega-Chance! Dieses Thema wird 2025 explodieren!“

Um 9:09 Uhr war der Fonds bereits leicht angepasst. „Nur zur Beimischung“, wie er sich erklärte. Um 9:15 Uhr kam die nächste Eilmeldung, um 9:22 Uhr ein euphorischer Börsenkommentar, um 9:30 Uhr ein Tweet eines Menschen, der sehr überzeugt wirkte und ein Profilbild mit Sonnenbrille hatte.

Um 10:00 Uhr war der „Jetzt-aber-wirklich-alles-besser“-Fonds zu 43 % investiert in Dinge, die Herr Meier nicht aussprechen konnte, und zu 12 % in Unternehmen, deren Geschäftsmodell er mit „irgendwas Digitales“ beschrieb.

Am Nachmittag rief ein Freund an: „Und, wie läuft dein neues Jahr?“
Herr Meier antwortete ehrlich: „Stabil. Also emotional instabil, aber finanziell noch offen.“

Am Abend schaute er ins Depot. Minus 2,6 %. Kein Drama, aber auch kein Zauber. Er seufzte, klappte den Laptop zu und sagte versöhnlich:
„Na gut. Der Fonds braucht vielleicht erst mal Eingewöhnungszeit.“

Am nächsten Morgen, dem 3. Januar, fasste er einen reifen Entschluss:
Der Fonds bekam Urlaub. Bis Februar. Mindestens.

Moral der Geschichte:
An der Börse ist der Jahresanfang kein Neuanfang, sondern eher ein freundliches „Wir kennen uns doch“. Und das Depot vergisst nie, was man sich gestern fest vorgenommen hat.

Sonntag, 11. Januar 2026

11.1.2026: „Silberraketen und rote Zahlen – mein Neujahr mit dem DAX“

Neujahr, 11:42 Uhr. Ich sitze im Schlafanzug auf dem Sofa, noch leicht benebelt von zu viel Bleigießen (ja, ich hab noch einen Restposten von 2014 gefunden) und zu wenig Schlaf. Mein Handy vibriert. Eine Push-Nachricht:
**„DAX startet freundlich ins neue Jahr.“**

Freundlich? Ich habe noch nie verstanden, warum man Börsenverläufe wie Menschen beschreibt.
Gestern war der Markt „entspannt“, letzte Woche „gereizt“ – mein Depot war in der Adventszeit sogar „apathisch mit Tendenz zu panisch“.

Aber egal. Neues Jahr, neues Glück. Und ich habe Vorsätze!
Keine emotionalen Trades mehr. Keine Meme-Aktien. Keine Investmentideen nach dem dritten Sekt.

Doch dann schreibt mein Kumpel Tobi:

> „Ey, hast du schon die Raketen gesehen?“

Ich antworte:

> „Die am Himmel oder die im Depot?“
> Er: „Beides! Nvidia geht durch die Decke!“

Innerhalb von fünf Minuten bin ich wieder mittendrin: Ich öffne meine App, verwerfe alle Neujahrsvorsätze und kaufe eine wilde Mischung aus KI, Cybersecurity und irgendwas mit Quanten. Ich nenne es: **„mein 2025er Turbo-Wachstums-Feuerwerk“**.

Um 13:12 Uhr bin ich euphorisch. Um 14:00 Uhr nervös. Um 14:07 Uhr steht mein Depot bei –3,4 %.
Die Börse ist eben wie eine Silvesterrakete: laut, spektakulär – und meistens fällt einem am Ende ein glühender Rest ins Auge.

Meine Frau fragt beim Neujahrskaffee, ob ich wieder „dieses Zucken im rechten Augenlid“ habe.
Ich antworte: „Das ist mein Jahresauftaktindikator.“

Moral der Geschichte:
Der erste Börsentag des Jahres ist wie Raclette: Man fängt motiviert an, verbrennt sich garantiert die Finger – und am Ende fragt man sich, warum man das eigentlich jedes Jahr wieder macht.

Sonntag, 4. Januar 2026

4.1.2026: „Mit dem Depot ins neue Jahr – und gleich auf die Nase“

Es war der 1. Januar, 8:13 Uhr. Während ganz Deutschland noch zwischen Raclette-Resten und Blei-Prophezeiungen schlummerte, saß Herr Lindemann bereits im Bademantel am Küchentisch – frisch gebrühtem Kaffee in der einen, iPad in der anderen Hand.

„Dieses Jahr wird alles anders“, murmelte er entschlossen.
„Kein Zocken mehr, kein Herdenverhalten, kein Dogecoin, kein Rumgegurke!“

Er hatte sich neun gute Börsenvorsätze gemacht – und sie stolz mit Bleistift an den Kühlschrank gepinnt. Darunter:

1. **Nicht gleich am ersten Handelstag gierig werden.**
2. **Keine Trendaktien kaufen, nur weil TikTok sie mag.**
3. **Vor dem Investieren erst mal duschen.**

Doch dann öffnete er seine Börsen-App. Und sah es.
**+12 % in Asien.**
**Bitcoin über Nacht gestiegen.**
**„KI-Aktien explodieren“ titelte ein Blog, der sonst Ernährungstipps gab.**

Panik. Euphorie. Kaffee verschüttet.
Der Neujahrsvorsatz verdunstete schneller als der Silvestersekt.

> „Einmal noch rein… nur einmal!“ flüsterte er, während er in Unterhose die erste Order des Jahres tippte:
> **„100x Künstliche-Intelligenz-Blockchain-Robotik-GreenTech-Wasserstoff-ETF – auf Kredit!“**

Um 10:12 Uhr war er euphorisiert. Um 14:37 Uhr überrascht. Und um 16:00 Uhr… stornierte er seine Vorsätze.
Denn der ETF stellte sich als dubioses Konstrukt aus Kanada heraus, das weder KI noch Wasserstoff besaß, aber einen sehr hübschen Namen: **„FutureBoom 5000“**.

Abends, beim Neujahrsessen mit Sauerkraut, fasste Herr Lindemann einen neuen Vorsatz:

> „Nächstes Jahr investiere ich wieder in was Solides. Streuobstwiesen oder Dosenbrot.“

Moral der Geschichte:
Am Neujahrstag ist nicht nur der Kopf weich. Auch die Märkte kennen kein Mitleid mit Vorsätzen.
Doch wie Oma schon sagte:

> „Wer ins Depot fällt, muss auch wieder aufstehen – aber mit Hose.“

Sonntag, 28. Dezember 2025

28.12.2025: „Stille Nacht, volatile Nacht“

Es war der 24. Dezember, Punkt 16:59 Uhr, als Herr Krüger – Hobby-Investor, Glühweinkenner und Weihnachtsliebhaber – beschloss, seinem Depot noch einen „festlichen Feinschliff“ zu verpassen.

„Nur kurz noch ein bisschen Umschichten, bevor der Handel schließt“, murmelte er. Seine Frau rief aus der Küche:
„Krüger! Entenbraten oder Gans?“
„Warte! Ich muss erst noch bei Nasdaq nach dem Frieden suchen!“

Er hatte gelesen, dass es den „Santa Claus Rally“-Effekt gäbe – also einen geheimnisvollen Anstieg der Aktienkurse zwischen Weihnachten und Neujahr. Das klang für ihn wie das Börsianer-Pendant zum Christkind.

Er setzte alles auf eine Karte:
Tech-Aktien? Nö.
Versorger? Langweilig.
Es wurde: ein hochspekulativer Lebkuchen-ETF aus Litauen, der angeblich vom Hype um nachhaltige Zimtproduktion profitierte.

Als die Börse um 17:00 Uhr schloss, lehnte sich Herr Krüger zurück und prostete sich selbst mit einem Eierlikör zu:

> „Das wird mein goldenes Weihnachten!“

Am nächsten Morgen: -14,3 %.
Ein Influencer hatte über Nacht gepostet, dass Zimt möglicherweise karzinogen sei – der ETF kollabierte wie ein schlecht gebackener Spekulatius.

Herr Krüger war kurz davor, das Fest zu ruinieren.
Doch dann fiel ihm ein:

> „Warte… ich hab doch noch 14 Amazon-Gutscheine unterm Baum liegen!“

Er zog Bilanz:
- Portfolio ruiniert.
- Stimmung gerettet.
- Glühweinstand-Aktien für nächstes Jahr auf die Watchlist gesetzt.

Moral der Geschichte:
An Heiligabend sollte man lieber Geschenke auspacken als Aktien.
Denn der einzige wirklich sichere Weihnachtsgewinn ist der letzte Dominostein – wenn ihn keiner gesehen hat.

8.2.2026: Der Anleger, der sein Depot nach Gefühl managte

Herr Richter war überzeugt: Zahlen sind gut. Analysen sind wichtig. Aber das Wichtigste an der Börse ist das Bauchgefühl. Und seines war äuß...