Als Max seinen ersten Tag bei der Investmentgesellschaft „Sicher & Solide AG“ antrat, war er fest entschlossen, Karriere zu machen. Sein Ziel: In fünf Jahren Fondsmanager, in zehn Jahren Yachtbesitzer – oder zumindest jemand, der weiß, wie man „Diversifikation“ richtig ausspricht.
Gleich am ersten Tag bekam er eine Aufgabe vom Chef:
> „Max, überlegen Sie sich bitte eine einfache, solide Depotstruktur. Streuung ist das A und O!“
Max nickte eifrig, machte sich Notizen – und googelte dann in der Kantine das Wort **„Streuung“**.
Er las was von Risiko, Verteilung, Assetklassen. Aber das verwirrte ihn nur. Also hielt er sich ans, was er verstand:
Streuung = Verteilen.
Als er dem Chef am nächsten Tag stolz seine Lösung präsentierte, hatte er:
– Aktien gekauft („Für die Rendite“)
– Anleihen beigemischt („Weil’s in der Präsentation stand“)
– Immobilienfonds rausgesucht („Weil Oma sagt: Beton ist sicher“)
– UND…
…ein paar Dosen Streusalz gekauft.
Chef: „Was ist das?“
Max: „Na, echte Streuwerte! Ich habe bei einem Baumarkt-Aktienbundle mitgemacht. Da gab’s 5 % Rabatt, wenn man gleich noch Produkte aus dem Sortiment nimmt. Jetzt haben wir 80 Kilo Auftausalz im Keller.“
Chef: Pause. Langer Blick.
Dann: „Max, das war… falsch. Aber kreativ.“
Die Geschichte machte die Runde. Fortan hieß Max nur noch „Salzmann“.
Und als im Winter das Büro vereist war, sagte der Chef schmunzelnd:
> „Max, holen Sie mal bitte das Depot aus dem Keller.“
Moral der Geschichte: Wer breit streut, rutscht nicht aus – aber bitte nicht wörtlich nehmen.
Humorvolle Börsengeschichten
Sonntag, 23. November 2025
23.11.2025: Der Azubi und die Sache mit dem Streu-Depot
Sonntag, 16. November 2025
16.11.2025: Die geheime WhatsApp-Gruppe der Börsen-Omas
Niemand hätte es geahnt: Hinter dem Kürzel **„WG2020“** verbarg sich keine Wohngemeinschaft, sondern die wildeste Investment-WhatsApp-Gruppe westlich des Rheins – gegründet von fünf rüstigen Damen über 75, die sich jeden Mittwoch zum Stricken, Schnacken und Spekulieren trafen.
Alles begann in der Pandemie, als Oma Gisela entdeckte, dass ihr Enkel „dieses Trade Republic“ auf dem Handy hatte.
„Wenn der Jonas mit seinem Taschengeld Aktien kaufen kann, dann kann ich das schon lange!“, sagte sie, öffnete ihr altes Samsung mit Klappmechanismus und meldete sich kurzerhand an.
Ihre erste Aktie: **Beiersdorf.** Begründung: „Ich benutze seit 50 Jahren Nivea – die werden nicht pleitegehen.“
Schnell steckten sich auch ihre Freundinnen an.
– Hannelore kaufte Bayer („Mein Blutdruckmittel kommt von denen – stabil!“),
– Irmgard investierte in TUI („Ich will wieder reisen – wenigstens mein Geld soll’s schaffen!“),
– Rita setzte auf Zalando („Damit die Enkel nicht immer meine Blusen anziehen.“),
– und Ulla hielt Coca-Cola („Zucker ist böse, aber profitabel.“)
Jeden Mittwoch wurde nun gestrickt und diskutiert.
> „Hannelore, du bist im Minus – war’s wieder die Dividende, die dich geblendet hat?“
> „Gisela, warum Tesla? Du fährst doch noch Fahrrad mit Stützrädern!“
Einmal versuchten sie sogar Daytrading, weil ein YouTuber behauptete, man könne in 24 Stunden reich werden.
Nach zwei Stunden und drei verpassten Orders sagte Oma Rita trocken:
> „Ich bin froh, wenn ich in 24 Stunden meine Lesebrille finde.“
Am Ende schlossen sie einen Pakt:
Nur noch Aktien, deren Produkte sie auch selbst benutzen – „hautnahes Research“.
So kam Nestlé ins Depot („Nussschokolade getestet und für kaufenswert befunden“) und Henkel („Der Persil-Index lügt nie“).
Heute sind sie auf Instagram als **@boersengirls75plus** zu finden.
Ihr Slogan:
> „Unsere Haut ist faltig – unser Depot nicht.“
Moral der Geschichte: Man ist nie zu alt für die Börse – solange der WLAN-Router funktioniert und die Lesebrille auffindbar ist.
Sonntag, 9. November 2025
9.11.2025: Der Opa, der den Bärenmarkt für ein Tierproblem hielt
Eines Tages rief ihn sein Enkel Sebastian an, ganz aufgeregt:
„Opa, der Markt ist im freien Fall – es ist ein Bärenmarkt!“
Opa legte den Hörer beiseite, zog sich die Schuhe an und stapfte direkt zum Baumarkt. Eine Stunde später stand er mit zwei Mausefallen, einem Sack Vogelfutter und einem Pfefferspray im Wohnzimmer.
„Wenn hier ein Bär rumläuft, dann will ich vorbereitet sein!“
Sebastian versuchte zu erklären:
„Opa, das ist nur ein Begriff – Bärenmarkt heißt, die Kurse fallen.“
Hermann winkte ab:
„Aha. Und beim Bullenmarkt steigen sie, weil da ein Stier durch die Wall Street galoppiert, oder was?“
Sebastian: „Na ja… im übertragenen Sinne schon.“
Opa: „Papperlapapp. Früher hieß das einfach: Schlechte Laune an der Börse.“
Statt zu verkaufen, kaufte Opa stur nach. SAP, Siemens, Bayer – alles, was schon in den 90ern „solide klang“. Als sein Depot Wochen später wieder im Plus war, sagte er nur:
> „Der Bär kann von mir aus tanzen – Hauptsache, ich hab meine Dividende.“
Heute nennt ihn die Familie liebevoll **„den Bärenbändiger von Bottrop“.**
Und das Pfefferspray liegt immer noch griffbereit. Man weiß ja nie.
Moral der Geschichte: Wer Bären wörtlich nimmt, hat vielleicht nicht alles verstanden – aber manchmal die bessere Performance.
Sonntag, 2. November 2025
2.11.2025: Die Aktie mit dem schönsten Namen
Frau Engel war neu an der Börse. Frisch aus einem VHS-Kurs „Finanzen für Fortgeschrittene Anfänger“ und mit einem Onlinebroker-Account bewaffnet, fühlte sie sich bereit, die Wall Street – oder zumindest den TecDAX – zu erobern.
Stundenlang hatte sie sich durch Foren, YouTube-Tipps und dubiose Telegram-Gruppen gelesen. Doch alles wirkte irgendwie… kompliziert. Kennzahlen, KGV, EBITDA, RSI – das klang für sie wie der Beipackzettel eines sehr teuren Medikaments.
Also fasste sie einen Entschluss:
**„Ich investiere in die Aktie mit dem schönsten Namen.“**
Nach kurzem Scrollen stand ihre Wahl fest:
**„Schmetterling Ventures AG“**
Ein kleiner Biotech-Wert mit wenig Umsatz, aber viel Fantasie im Namen.
„So zart, so poetisch – das muss einfach fliegen!“, dachte Frau Engel und klickte auf „Kaufen“.
Am nächsten Tag stieg die Aktie um 12 %. Sie fühlte sich wie Warren Buffett mit Pastellnagellack.
Nach zwei Wochen war sie bei +34 % und erzählte jedem, der nicht bei drei im Orderbuch war, von ihrer bahnbrechenden Strategie:
> „Man muss mit dem Herzen investieren!“
Ihr Friseur stieg ein. Ihre Yogalehrerin auch. Ihr Hund bekam ein Tuch mit dem Logo von Schmetterling Ventures.
Doch dann – wie es mit Schmetterlingen manchmal so ist – kam ein Sturm.
Die Firma gab bekannt, dass sie ihre einzige Forschungslinie einstellt. Die Aktie flatterte, taumelte, fiel.
Frau Engel verlor fast alles – aber nicht ihren Optimismus. Sie sagte lächelnd:
> „Naja, immerhin war es ein schöner Absturz.“
Heute ist sie zurück am Markt. Ihre aktuelle Lieblingsaktie heißt:
Happy Turtle Systems GmbH
Moral der Geschichte: Auch an der Börse gilt: Schönheit vergeht – Substanz bleibt. Aber hey, ein bisschen Poesie im Depot schadet niemandem.
Sonntag, 26. Oktober 2025
26.10.2025: Der Fondsmanager und das Kaffeesatz-Orakel
Herr Dr. Ludwig Kleinschmidt war kein gewöhnlicher Fondsmanager. Nein, er war ein Mann der alten Schule. Krawatte bei 30 Grad? Pflicht. Faxgerät im Büro? Natürlich. Bloomberg-Terminal? Nur zur Deko – denn seine eigentliche Informationsquelle war: **Kaffeesatz**.
Niemand in der Bank wusste so recht, wann diese Leidenschaft begonnen hatte. Manche vermuteten, es sei ein Unfall mit einem Espresso und einem Börsenprospekt gewesen. Andere sagten, Kleinschmidt sei nach einem misslungenen Value-Investing-Seminar einfach in die Esoterik abgebogen.
Fest stand: Jeden Morgen nach dem dritten Kaffee blickte er feierlich in die Tasse, drehte sie dreimal, murmelte etwas von „Zinswendeenergie“ und „Rohstoffchakra“ – und traf dann seine Investitionsentscheidungen.
Eines Tages blickte er besonders lange in den Satz. Seine Stirn legte sich in Falten wie ein Chart nach einer Zinsentscheidung. Dann nickte er.
> „Heute kaufen wir Lithium. Viel Lithium.“
Der Assistent fragte vorsichtig: „Wegen der Elektromobilität, Chef?“
Kleinschmidt: „Nein. Da. Schau. Siehst du das da? Das sieht aus wie ein Tesla-Logo mit Hut.“
Man investierte. Die Position ging durch die Decke.
Am nächsten Tag: „Wir gehen short auf Krypto.“
Begründung: „Der Kaffeesatz hat gezittert.“
Auch das passte. Bitcoin krachte um 12 %. Kleinschmidt wurde zur Legende. Kunden wollten keine Factsheets mehr, sondern **eine Livekamera auf die Kaffeemaschine.**
Ein ETF-Anbieter bot an, einen **„Coffee Alpha Fund“** aufzulegen. Das Maskottchen: eine Bohne mit Krawatte.
Doch dann kam der Tag, an dem der Kaffee über Nacht im Büro kalt wurde. Der Satz war verwässert. Kleinschmidt interpretierte das als Zeichen für „alles verkaufen“.
Er liquidierte den Fonds. Zwei Tage später begann eine Rallye historischen Ausmaßes.
Sein Kommentar:
> „Kaffee lügt nie. Nur manchmal flüstert er in Sprachen, die der Markt nicht versteht.“
Moral der Geschichte: Zwischen Koffein und Kapital liegt manchmal nur ein Schluck Wahnsinn – aber hey, wenn’s läuft, läuft’s
Sonntag, 19. Oktober 2025
19.10.2025: Der Analyst, der seine eigene Empfehlung nicht verstand
Bei der altehrwürdigen Investmentbank „Grünstein & Partner“ galt eine eiserne Regel: Kein Analyst verlässt das Gebäude ohne eine Einschätzung zum Markt. Egal wie absurd, vage oder astrologisch begründet – Hauptsache, es steht was auf dem Papier.
Jens-Peter von Krawuttke, frisch gebackener Junior-Analyst mit Doppelnamen und Dreitagebart, war an der Reihe. Es war Freitagnachmittag, alle wollten ins Wochenende – doch er musste noch eine Empfehlung zur Aktie „TechnoGreen Robotics“ abgeben.
Die Firma war ihm völlig unbekannt. Ihre Website war ein Mix aus Science-Fiction, Buzzwords und einem YouTube-Video mit 37 Klicks, in dem ein Roboter versuchte, eine Erdbeere zu falten.
Jens-Peter grübelte. Die Deadline rückte näher. Also griff er zur Notlösung aller Analysten in der Not:
> „**Halten.**“
Aber er wollte nicht *zu* langweilig wirken. Also formulierte er es etwas… dynamischer:
> „Wir sehen kurzfristig moderates Abwärtspotenzial mit begrenztem Rückschlagrisiko, jedoch mittel- bis langfristig selektives Aufwärtspotenzial innerhalb eines volatilen Marktumfelds bei gleichzeitig neutraler Grundhaltung.“
Er selbst wusste nicht, was es bedeutete. Aber es klang teuer.
Am Montagmorgen: Chaos. Die Aktie sprang um 18 % nach oben. Medien jubelten:
**„Krawuttke prophezeit Robo-Rallye – TechnoGreen hebt ab!“**
Ein Kollege fragte:
„Was genau hast du in dem Satz gesehen, was andere nicht gesehen haben?“
Jens-Peter: „Ich… äh… meinte damit, dass… also... der Roboter… ist grün?“
Er wurde befördert. Ab sofort zuständig für „Narrativgetriebene Wachstumsstories mit visionärem Charakter“.
Moral der Geschichte: Wenn du nicht weißt, was du meinst – tu so, als ob es niemand anderes wissen dürfte. Und sag einfach: Halten.
Sonntag, 12. Oktober 2025
12.10.2025: Der Trader, der versehentlich eine Hochzeitsgesellschaft shortete
Herr Lindner – nicht verwandt mit Christian, aber ähnlich überzeugt von sich selbst – war Daytrader aus Leidenschaft. Seine Spezialität: Shortselling. Also das Wetten auf fallende Kurse. Moralisch fragwürdig? Vielleicht. Aber Herr Lindner fand das Wort „Zynismus“ immer schon viel zu negativ besetzt.
An einem Samstagmittag saß er, wie immer in Jogginghose und mit Koffeinlevel „Helikopter“, vor seinen vier Bildschirmen und beobachtete, wie die Aktie von „Wedding Moments AG“ – einem Anbieter für Hochzeitsplanungs-Apps – auf Allzeithoch notierte.
„Viel zu überbewertet!“, rief Lindner, der noch nie verheiratet war, aber eine klare Meinung zu romantischen Geschäftsmodellen hatte.
Er setzte einen fetten Short.
Parallel dazu scrollte er durch Twitter und las verwundert:
„Hochzeit von WeddingMoments-CEO heute in Berlin – #AktienLiebe“
„Braut trägt Tüll, Aktie trägt Flügel!“
Dann tauchte ein Livestream auf: Die gesamte Hochzeitsgesellschaft, inklusive Investorinnen in Sommerkleidern und romantisch tanzenden Aktionären, feierte ausgelassen. Die Kamera schwenkte über das Buffet – mit Sushi in Kerzenform – und blieb schließlich auf einer riesigen Hochzeitstorte mit dem Logo der Firma stehen.
Plötzlich begannen die Gäste, symbolisch Aktien zu verschenken.
Die Aktie stieg. Und stieg. Und stieg.
Herr Lindner starrte fassungslos auf seinen Bildschirm.
–15 %. –25 %. –40 %. Margin Call.
In einem Akt emotionaler Verzweiflung tippte er in den Livestream-Chat:
„Ich war dagegen. Aber jetzt liebe ich euch alle. Glückwunsch! Kann ich im Gästebuch unterschreiben?“
Der Chat explodierte. Die Braut kommentierte persönlich:
„Shortseller sind auch nur Gäste mit schlechtem Timing.“
Am Ende des Abends war Herr Lindner finanziell ruiniert, aber seltsam beseelt. Er wechselte das Metier und wurde Trauredner – mit dem Motto:
„Wenn schon nicht reich, dann wenigstens romantisch pleite.“
Moral der Geschichte: Wer gegen die Liebe wettet, verliert am Ende nicht nur Geld – sondern auch das Herz der Märkte.
23.11.2025: Der Azubi und die Sache mit dem Streu-Depot
Als Max seinen ersten Tag bei der Investmentgesellschaft „Sicher & Solide AG“ antrat, war er fest entschlossen, Karriere zu machen. Sein...
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Herr Breuer, Finanzjournalist mit Twitter-Zwangsstörung und einem Hang zu dramatischen Formulierungen, liebte es, seine Börsenkommentare mit...
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Herr Drossel war begeisterter Privatinvestor – oder, wie seine Frau sagte: „Mann mit zu viel Depot und zu wenig Ahnung.“ Seine Lieblingsbesc...
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Bei der altehrwürdigen Fondsgesellschaft „Sicher & Solide“ lief alles nach Protokoll. Die Zahlen wurden in Excel gepflegt, das Reporting...