Herr Richter war überzeugt: Zahlen sind gut. Analysen sind wichtig. Aber das Wichtigste an der Börse ist das Bauchgefühl. Und seines war äußerst gesprächig.
Jeden Morgen setzte er sich mit Kaffee an den Tisch, öffnete seine Börsen-App und fragte sich ernsthaft:
„Wie fühlt sich der Markt heute für mich an?“
Wenn er gut geschlafen hatte, kaufte er.
Wenn der Kaffee zu heiß war, verkaufte er.
Wenn seine Katze ihn ignorierte, ging er defensiv.
Eines Tages fühlte sich alles besonders optimistisch an. Die Sonne schien, das Brot war frisch, der Kaffee perfekt. Herr Richter lächelte.
„Heute ist ein Kauf-Tag“, sagte er feierlich – und investierte in eine Aktie, deren Namen er nicht aussprechen konnte, aber die ein sehr sympathisches Logo hatte.
Am nächsten Tag fiel die Aktie um zehn Prozent. Herr Richter blieb ruhig.
„Der Markt hatte wohl einfach schlechte Laune“, erklärte er verständnisvoll.
Zwei Tage später stieg sie um zwölf Prozent. Herr Richter nickte zufrieden.
„Siehst du, ich hab’s doch gefühlt.“
Von da an führte er ein kleines Börsentagebuch:
– Montag: Bauch zwickt – nichts kaufen.
– Dienstag: Gute Laune – Tech.
– Mittwoch: Magen leer – lieber Cash.
– Donnerstag: Pizza gegessen – Risiko!
Seine Freunde fragten irgendwann vorsichtig:
„Sag mal, hast du auch eine Strategie?“
Herr Richter antwortete stolz:
„Natürlich. Emotionale Diversifikation.“
Am Jahresende stellte er fest: Seine Rendite war exakt so stabil wie seine Stimmung. Mal hoch, mal runter, insgesamt überraschend menschlich.
Er lehnte sich zurück, trank seinen Kaffee und sagte zufrieden:
„An der Börse kann man viel verlieren. Aber mein Bauchgefühl ist immer noch da. Und das ist unbezahlbar.“
Moral der Geschichte:
Man kann an der Börse alles analysieren – aber am Ende entscheidet oft doch der Magen. Und der hat selten ein Bloomberg-Terminal.
Sonntag, 8. Februar 2026
8.2.2026: Der Anleger, der sein Depot nach Gefühl managte
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
8.2.2026: Der Anleger, der sein Depot nach Gefühl managte
Herr Richter war überzeugt: Zahlen sind gut. Analysen sind wichtig. Aber das Wichtigste an der Börse ist das Bauchgefühl. Und seines war äuß...
-
Herr Breuer, Finanzjournalist mit Twitter-Zwangsstörung und einem Hang zu dramatischen Formulierungen, liebte es, seine Börsenkommentare mit...
-
Herr Drossel war begeisterter Privatinvestor – oder, wie seine Frau sagte: „Mann mit zu viel Depot und zu wenig Ahnung.“ Seine Lieblingsbesc...
-
Bei der altehrwürdigen Fondsgesellschaft „Sicher & Solide“ lief alles nach Protokoll. Die Zahlen wurden in Excel gepflegt, das Reporting...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen