Sonntag, 3. Mai 2026

3.5.2026: Der Anleger, der sein Depot für ein Navigationssystem hielt

Herr Köster war überzeugt, dass die Börse im Grunde wie Autofahren sei. Man brauche nur eine Richtung, ein bisschen Geduld und vor allem: **ständige Kurskorrekturen**. Stillstand war für ihn keine Option.

Jeden Morgen öffnete er seine Börsen-App mit den Worten:
„Na, wo fahren wir heute hin?“

Zeigte eine Aktie leicht nach oben, war klar: „Wir sind auf der richtigen Spur.“
Fiel sie kurz darauf, runzelte er die Stirn. „Re-routing“, murmelte er und verkaufte.

Kaum hatte er verkauft, drehte der Kurs. Herr Köster nickte verständnisvoll.
„Typisch. Baustelle.“

Er kaufte wieder ein. Wenig später fiel der Kurs erneut.
„Jetzt aber wirklich Umleitung.“

So bewegte er sich den ganzen Tag durch sein Depot wie durch einen Großstadtverkehr zur Rushhour: ständig wenden, abbremsen, neu anfahren. Jede kleine Kursbewegung war für ihn ein Hinweisschild. Jede Nachricht ein Blitzer. Jede rote Zahl ein Stauende.

Seine Freunde fragten irgendwann, ob ihn das nicht wahnsinnig mache.
Herr Köster winkte ab.
„Quatsch. Ich komme doch voran. Ich weiß nur nie genau, wohin.“

Besonders stolz war er auf Tage mit vielen Trades.
„Heute bin ich richtig Strecke gemacht“, sagte er dann zufrieden – obwohl sein Depot exakt dort stand, wo es morgens schon war, nur mit etwas weniger Gebührenfreiheit.

Abends schloss er die App, lehnte sich zurück und seufzte zufrieden.
„War eine anstrengende Fahrt“, sagte er. „Aber immerhin keine Vollbremsung.“

Am nächsten Morgen startete er den Motor erneut.

3.5.2026: Der Anleger, der sein Depot für ein Navigationssystem hielt

Herr Köster war überzeugt, dass die Börse im Grunde wie Autofahren sei. Man brauche nur eine Richtung, ein bisschen Geduld und vor allem: **...