Herr Gruber war ein erfahrener Börsenmakler – altgedient, altmodisch, aber mit einem Händchen für alles, was Rendite roch. Er war stolz auf sein Portfolio, das so diversifiziert war, dass man eine Weltkarte danebenlegen konnte.
Eines Abends, nach einem besonders langen Arbeitstag voller Zinssätze, Analysten-Calls und einem aus Versehen doppelt gekauften ETF auf lettische Telekomwerte, lud ihn sein Neffe Tim zu einem gemütlichen Spieleabend ein. Thema: Familien-Monopoly.
Gruber lachte. „Ach, wie süß. Der Junge will den Kapitalismus spielerisch verstehen.“
Während andere Hotels bauten und Gefängnisstrafen absaßen, entwickelte Gruber schnell eine Taktik. Er notierte heimlich mit, optimierte Straßenkäufe nach Rendite-Risiko-Verhältnis und ließ sich in der dritten Runde einen Taschenrechner bringen.
„Bahnhof ist defensiv, Schlossallee ist spekulativ – das hier ist kein Spiel, das ist ein Testmarkt!“
Am nächsten Morgen, zurück im Büro, wollte Gruber seinen Tagesauftrag eintippen. Er öffnete wie immer das Orderfenster seines Onlinebrokers – und tippte, noch halb im Monopoly-Fieber:
„Kaufe 100 Anteile an Wasserwerk AG, Bahnhof Holding und Schlossallee Capital.“
Er drückte auf Enter.
Und wunderte sich nicht, als das System nicht meckerte – denn durch einen absurden Zufall gab es tatsächlich Firmen mit ähnlich klingenden Namen!
Das Ganze wäre fast unbemerkt geblieben, hätte nicht zwei Tage später die Aktie von „Schlossallee Capital Ltd.“ um 40 % gestiegen – ausgerechnet, weil ein Meme-Forum glaubte, Warren Buffett habe in ein Brettspiel-Unternehmen investiert.
Herr Gruber wurde gefeiert:
„Der Mann, der Monopoly an die Börse brachte.“
„Sein Portfolio: plastikfrei, würfelbasiert, aber profitabel!“
Auf TikTok trendete der Hashtag #ParkstraßeLong.
Am Ende verkaufte Gruber mit sattem Gewinn – und wurde zum Ehrengast auf der Spielwarenmesse eingeladen. Seine Rede dort trug den Titel:
„Von der Badstraße zum Börsenparkett: Ein realistisches Brettspiel.“
Moral der Geschichte: An der Börse ist vieles ein Spiel – aber manchmal gewinnt, wer die Regeln nicht ganz so ernst nimmt.
Sonntag, 28. September 2025
28.9.2025: Der Börsenmakler, der aus Versehen in Monopoly investierte
Sonntag, 21. September 2025
21.9.2025: Die Großmutter, die aus Versehen ein IPO ankündigte
Als Maximilian – jung, dynamisch, 12 % Krawatte, 88 % Selbstvertrauen – seinen ersten Job bei einer hippen Start-up-Börsenplattform antrat, wollte er die Welt verändern. Oder wenigstens seine LinkedIn-Statistiken.
Seine erste Aufgabe: Die Präsentation für das anstehende IPO eines revolutionären Unternehmens namens „VeggieLoop“, das vegane Döner aus Algenresten herstellte.
Maximilian arbeitete drei Tage und drei koffeingetränkte Nächte an der Präsentation, speicherte sie unter dem kryptischen Titel **„VL\_IPO\_FINALJETZTABERWIRKLICH.pptx“** und schickte sie zur Sicherheit… an seine eigene E-Mail-Adresse.
Dumm nur: Er hatte eine Namensverwechslung. Statt **maxi.broker\@...** ging die Mail an **oma.maxi\@...** – seine 82-jährige Großmutter, die stolz war, dass ihr Enkel jetzt „irgendwas mit Finanzen macht, aber nicht mehr kellnert.“
Noch dümmer: Oma Maxi war gerade dabei, sich bei Facebook neu anzumelden („Die Enkel sollen ja sehen, dass ich noch lebe“), und hielt die bunte Datei mit Charts, Logos und dem Satz **„Am 17. geht’s an die Börse!“** für eine Einladung zur Familienfeier.
Also postete sie:
> **„Mein Max bringt am 17. was an die Börse. Ich bring Kuchen mit! Wer kommt auch?“**
Drei Stunden später war der Beitrag viral.
– Börsenblogs spekulierten über ein „geheimes IPO-Leak durch Angehörige“
– Der vegane Döner-Markt trendete bei Google
– Und ein anonymer Hedgefondsmanager kommentierte: „Wenn Oma kauft, kaufen wir alle.“
VeggieLoop wusste nicht, wie ihnen geschah. Der Vorstand war zwischen Panik und Euphorie. Maximilian wurde ins Chefbüro zitiert – und direkt wieder rausgeschickt, mit den Worten:
„Sag deiner Oma, sie soll beim nächsten Mal wenigstens das Logo korrekt posten.“
Am Ende wurde das IPO um eine Woche vorgezogen, weil das Interesse plötzlich riesig war. Und Oma Maxi?
Sie bekam offiziell 10 symbolische VeggieLoop-Aktien und einen Sitz in der ersten Reihe der Pressekonferenz. Sie trug ein Shirt mit der Aufschrift:
„Ich war vor dem Börsengang dabei.“
Moral der Geschichte: Unterschätze nie die Macht einer Großmutter mit Internetzugang – sie bewegt mehr als jeder Marktanalyst.
Sonntag, 14. September 2025
14.9.2025: Der Tag, an dem ein Kursalarm den Feueralarm auslöste
Herr Siebert war passionierter Daytrader – also jemand, der sein Wohlbefinden komplett vom Minutenchart abhängig machte. Sein Büro bestand aus drei Monitoren, vier Kaffeetassen, zwei nervösen Augenlidern und einer Alarm-App, die bei jedem Kursausschlag schriller piepte als ein Rauchmelder im Fettbrand.
Er hatte die Aktie „SolarGlanz AG“ ins Visier genommen – ein kleines Solarunternehmen, das sich seit Wochen kaum bewegte, aber **heute**, so war er sich sicher, würde es *durch die Decke gehen*.
Zur Sicherheit stellte er sich einen Kursalarm bei +5 % ein. Und einen bei –5 %. Und einen bei +10 %. Und, für den Fall der Fälle, bei –10 %. Man weiß ja nie.
Was er nicht wusste: Die App hatte ein Update bekommen. Und nun war **der Alarmton identisch mit dem Ton der tatsächlichen Brandmeldeanlage im Bürokomplex.**
Als um 11:17 Uhr SolarGlanz um exakt 5,01 % stieg, war es soweit:
📣📣📣 WEEEOOO-WEEEOOO 📣📣📣
Herr Siebert sprang auf, rief: „YES, sie fliegt!“ – während gleichzeitig auf dem Flur jemand schrie: „Feuer! Evakuierung!“
Innerhalb von Minuten stand das ganze Bürogebäude auf dem Parkplatz. Feuerwehr. Sicherheitsdienst. Eine Rentnerin aus dem Erdgeschoss mit einem Dackel im Arm. Und mittendrin: Herr Siebert, der auf sein Handy starrte und rief:
„Ich hab den Alarm ausgelöst! Wegen SolarGlanz! Das war mein Trade!“
Die Feuerwehr war kurz irritiert. Dann amüsiert. Dann deutlich.
„Vielleicht kaufen Sie demnächst wieder Ölaktien, die brennen wenigstens nur sinnbildlich.“
Seit diesem Tag durfte Herr Siebert nur noch mit Kopfhörern traden. Und SolarGlanz?
Die Aktie fiel eine Stunde später wieder – **und löste dabei den Alarm für –5 % aus.**
Moral der Geschichte: Wenn dein Depot brennt, brauchst du nicht gleich das ganze Gebäude zu evakuieren – aber ein guter Alarm kann trotzdem Leben verändern.
Sonntag, 7. September 2025
7.9.2025: Der Tag, an dem der Praktikant die Zinswende ausrief – aus Versehen
Bei der alteingesessenen Großbank „SerioInvest“ herrschte Routine wie in einem Uhrwerk. Analysten analysierten, Manager managten, und der Praktikant Leon… kopierte PDF-Dateien. Bis zu jenem schicksalhaften Mittwoch.
Leon sollte eigentlich nur einen internen Entwurf für den monatlichen Zinsausblick formatieren. Der Entwurf lautete:
> **„Die EZB könnte *eventuell* in Betracht ziehen, den Leitzins frühestens 2026 minimal zu verändern.“**
Leon fand das zu langweilig. Er wollte beeindrucken. Also ersetzte er das „eventuell“ mit „auf jeden Fall“, strich das „frühestens 2026“ und machte daraus:
> **„Die EZB hebt den Leitzins nächste Woche deutlich an.“**
Er dachte: „Klingt entschlossen. Das liest sich besser.“ Und klickte – versehentlich – auf „Veröffentlichen“, nicht auf „Entwurf speichern“.
Was dann passierte, lässt sich am besten mit „Wirtschaftsslapstick“ beschreiben:
* **Reuters** übernahm die Meldung in Windeseile.
* **Bloomberg** sendete Breaking News: *„SerioInvest erwartet sofortige Zinserhöhung – Märkte reagieren nervös“*
* Der Euro sprang 1,4 % nach oben.
* Italienische Anleihen gerieten ins Schwitzen.
* Und in Frankfurt fiel einem Notenbanker vor Schreck der Espresso aus der Hand.
Der Vorstand von SerioInvest stand kopf. Im siebten Stock wurde hektisch gebrüllt:
„WER HAT DAS GESCHRIEBEN?!“
Leon meldete sich zaghaft:
„Ich dachte, es klingt klarer so…“
Stille. Dann Chaos. Dann Krisensitzung. Dann – Gelächter.
Denn: Zwei Stunden später stellte sich heraus: Auch ein Analyst der Konkurrenz hatte „aufgrund der glaubwürdigen Quelle“ exakt dieselbe Einschätzung übernommen.
Folge: Die Märkte beruhigten sich, aber Leons Karriere nicht – denn er wurde von der Kaffeeküche direkt ins Research-Team befördert.
Dort trägt er seitdem den Spitznamen:
„Der Mann, der die Zinsen bewegte – mit Strg + S.“
Moral der Geschichte: An der Börse entscheidet nicht immer Kompetenz – manchmal reicht ein Tastenklick mit Selbstbewusstsein.
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