Sonntag, 15. Februar 2026

15.2.2026: Der Anleger, der seinen Kontostand für ein Kursziel hielt

Herr Vogel war ein Mann mit Visionen. Vor allem mit sehr konkreten. Sein größter Traum: eines Tages ein Depot zu besitzen, das genauso aussieht wie sein Wunsch-Kontostand.

Eines Morgens sah er auf sein Konto: 12.347 Euro.
Er nickte zufrieden. „Genau das ist mein neues Kursziel“, sagte er feierlich.

Von nun an bewertete er jede Aktie nur noch danach, ob sie ihm half, **schnell** dorthin zu kommen.

Eine Aktie mit solider Dividende?
„Zu langsam.“

Ein wachsendes Qualitätsunternehmen?
„Zu vernünftig.“

Ein hochspekulativer Nebenwert mit einem Logo in Flammenform?
„Das ist mein Typ!“

Er investierte begeistert. Schon nach wenigen Tagen war sein Depot nur noch 9.800 Euro wert. Herr Vogel blieb optimistisch.
„Super, jetzt ist das Kursziel näher gerückt.“

Als es weiter auf 7.400 Euro fiel, sagte er stolz:
„Seht ihr, der Markt kommt mir entgegen.“

Seine Freunde versuchten vorsichtig einzugreifen.
„Du weißt schon, dass dein Kontostand kein Kursziel ist?“

Herr Vogel winkte ab.
„Doch doch. Wenn die Aktie genug fällt, treffen wir uns irgendwann in der Mitte.“

Eines Tages passierte das Unfassbare: Eine seiner spekulativen Aktien verdoppelte sich plötzlich. Sein Depot sprang auf 14.000 Euro.

Herr Vogel war enttäuscht.
„Jetzt hab ich mein Ziel ja überschossen. Das ist doch ineffizient.“

Er verkaufte sofort – und investierte wieder in etwas, das „mehr Rückschlagpotenzial“ versprach.

Heute ist Herr Vogel zufrieden. Sein Depot ist ständig in Bewegung, seine Ziele auch, und sein Optimismus ist unerschütterlich.

Moral der Geschichte:
Wer sein Kursziel am Kontostand festmacht, ist an der Börse immer nah dran – aber selten auf der richtigen Seite.

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15.2.2026: Der Anleger, der seinen Kontostand für ein Kursziel hielt

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