Herr Jansen war ein klassischer Finanzberater: Krawatte zu eng, Hemd zu weit, und eine Frisur wie der DAX – mal oben, mal unten. Sein Büro roch nach Kaffee, Druckertoner und mildem Verzweiflungsschweiß. Er beriet hauptsächlich ältere Damen, die ihr Sparbuch „ein bisschen peppiger“ anlegen wollten.
Eines Tages war Jansen müde. Sehr müde. Die Nacht hatte er mit dem Versuch verbracht, einem ETF-Datenblatt eine Emotion zu entlocken. Vergeblich. Als er am nächsten Morgen in seinem Büro den Wochenbericht „Marktkommentar kompakt“ schreiben sollte, passierte es: Statt wie gewohnt den üblichen Satz „Die Märkte zeigten sich uneinheitlich…“ zu tippen, schrieb er aus Versehen:
> „Die Märkte zeigten sich wie mein Schwager beim Familiengrillen: nervös, überhitzt und kurz davor, zusammenzubrechen.“
Er lachte, ließ es stehen – „liest eh keiner“ – und schickte den Kommentar raus.
Noch am selben Nachmittag klingelte das Telefon Sturm.
„Herr Jansen, was für eine brillante Analyse!“
„Endlich mal ein Marktkommentar, den man versteht!“
„Ich habe geweint vor Lachen – und dann nachgekauft!“
Der Kommentar ging viral. Finanzportale teilten ihn, ein Podcast zitierte ihn („Börse mit Bratwurst-Vergleich – genial!“) und selbst die ARD rief an: „Können Sie nächste Woche im Börsennachmittag auftreten?“
Jansen wurde zur Marke. Fortan beschrieb er die Inflation als „das Gefühl, wenn man im Supermarkt für ein Päckchen Butter einen Kleinkredit aufnehmen muss“ oder die EZB als „eine Oma mit Gießkanne, die statt Blumen die Märkte bewässert“.
Sein Kundenstamm explodierte. Selbst junge Leute meldeten sich. Einer schrieb:
> „Ich hab kein Geld, aber ich will trotzdem wissen, was der DAX heute fühlt.“
Sonntag, 30. November 2025
30.11.2025: Der Finanzberater, der versehentlich berühmt wurde
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