Sonntag, 19. April 2026

19.4.2026: Der Anleger, der sein Depot für ein Haustier hielt

Herr Lehner war sich sicher: Sein Depot lebte. Nicht im biologischen Sinn, aber emotional ganz eindeutig. „Man muss sich kümmern“, sagte er ernst und öffnete morgens als Erstes die Börsen-App, noch bevor er guten Tag gesagt hatte.

Wenn die Kurse grün waren, sprach er beruhigend:
„Fein gemacht. So ist brav.“

Wenn alles rot blinkte, wurde er besorgt.
„Was hast du denn? Hast du schlecht geschlafen?“

Er kontrollierte sein Depot regelmäßig, aber nicht zu oft. „Zu viel Aufmerksamkeit macht nervös“, erklärte er. Trotzdem warf er alle zehn Minuten einen kurzen Blick hinein. Nur aus Sorge.

Einmal fiel eine Aktie stark. Herr Lehner reagierte sofort.
Er kaufte nach.
„Du brauchst Unterstützung“, murmelte er. „Nicht aufgeben jetzt.“

Als ein Freund fragte, warum er nicht einfach verkaufe, schaute Herr Lehner entsetzt.
„Man gibt doch kein Haustier weg, nur weil es mal krank ist.“

Bei starken Kursgewinnen hingegen blieb er skeptisch.
„Nicht überdrehen“, warnte er. „Zu viel Euphorie ist auch nicht gesund.“

Er erzählte seinem Depot von seinen Plänen, erklärte ihm langfristige Strategien und versprach Geduld. Wenn er verreiste, schaute er trotzdem täglich nach. „Nur kurz. Zum Nachsehen.“

Am Abend schloss er die App behutsam.
„So“, sagte er zufrieden, „für heute genug Aufregung.“

Das Depot schwankte weiter, mal lebhaft, mal träge, manchmal unerklärlich. Herr Lehner blieb gelassen.
„Hauptsache“, sagte er, „es lebt.“

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19.4.2026: Der Anleger, der sein Depot für ein Haustier hielt

Herr Lehner war sich sicher: Sein Depot lebte. Nicht im biologischen Sinn, aber emotional ganz eindeutig. „Man muss sich kümmern“, sagte er ...