Herr Blume war ein gewissenhafter Finanzberater, ein Mann mit Anzug, Aktentasche und dem festen Glauben, dass Excel-Tabellen die Welt regieren. Sein Hund, Bruno, ein leicht übergewichtiger Labrador mit chronischer Sabberfreude, war hingegen eher zuständig für das Fußende des Sofas und gelegentliche Bürobesuche zwecks Keksdiebstahl.
Eines Tages testete Herr Blume ein neues Online-Tool zur Vermögensverwaltung. Es versprach „in drei Minuten zum perfekten Portfolio“. Also klickte er sich durch die Anmeldung – Name, Geburtsdatum, Risikoprofil, Beruf.
Blume war multitaskingmäßig etwas abgelenkt, denn Bruno bellte währenddessen empört gegen den Staubsaugerroboter. In dem Moment, als das Tool nach dem Namen des neuen Kunden fragte, rief Blume nur genervt:
„Bruno, bitte!“
Das Programm verstand:
**Vorname: Bruno**
**Nachname: Bitte**
**Geburtsjahr: 2016**
**Beruf: Vermögensverwalter**
Blume merkte es nicht. Er klickte weiter, schickte die Anmeldung ab – und hatte damit offiziell seinen Labrador als Finanzprofi registriert.
Zwei Tage später rief ein Kollege an:
„Sag mal, wer ist denn dieser Bruno Bitte? Der hat im internen Ranking das aggressivste Wachstumsportfolio der Abteilung gebaut – mit 35 % Kryptowährungen, 25 % Biotech und 40 % Hundeaktien. Und das bei Risikoprofil: verspielt.“
Blume wurde blass. „Ähm… das ist mein… Hund.“
Die Geschichte machte die Runde. Der Labrador mit dem riskanten Anlageansatz wurde zur Legende. Kunden fragten plötzlich:
„Könnten Sie mir auch so ein Portfolio wie Herr Bitte zusammenstellen?“
„Ich vertraue nur noch Bruno.“
„Er wirkt… instinktiv.“
Bruno bekam ein Namensschild, einen eigenen Schreibtisch (den er nie benutzte) und ein quietschendes Bitcoin-Spielzeug. Das Unternehmen nutzte ihn als Maskottchen für junge Kunden unter 30.
Am Jahresende stellte sich heraus:
**Brunos Portfolio hatte eine höhere Rendite erzielt als das der gesamten Abteilung.**
Blume schüttelte den Kopf und reichte seinem Kollegen ein Leckerli.
Moral der Geschichte: Manchmal bringt mehr Instinkt als Intelligenz den großen Gewinn – besonders, wenn es Leckerlis als Bonus gibt.
Sonntag, 31. August 2025
31.8.2025: Der Finanzberater, der aus Versehen seinen Hund als Vermögensverwalter anmeldete
Sonntag, 24. August 2025
24.8.2025: Der Analyst, der versehentlich eine Pizzeria bewertete
Herr Bentz war ein gefürchteter Analyst bei der renommierten Investmentbank „Zahlen & Zins“. Seine Kritiken galten als Börsenschwert – ein „Verkaufen“-Urteil von ihm ließ Kurse implodieren wie schlecht gefüllte Luftmatratzen.
An einem verregneten Mittwochmittag saß Herr Bentz hungrig am Schreibtisch, durchforstete Quartalsberichte und träumte von Pizza. Gleichzeitig öffnete er ein Bewertungsformular, um seinen Bericht zur „Italino Group AG“ zu verfassen – einem Gastro-Konzern mit internationaler Expansion.
Was er nicht bemerkte:
Er hatte sich parallel in einem Onlineportal für Restaurantkritiken verirrt – und landete auf der Seite der Pizzeria Italino, drei Straßen von seinem Büro entfernt.
Und so schrieb Herr Bentz – in professionellster Analystensprache – folgende Rezension:
> „Starkes Wachstum im Eingangsbereich, solide Margen bei Teig und Belag. Service etwas schleppend, aber charmant. Leichte Schwächen bei der Lieferkette (Salami war alle), jedoch beeindruckende Performance im Bereich Mozzarella. Empfehlung: Kaufen – mit einem Glas Chianti.“
Er klickte auf „Veröffentlichen“ und machte sich endlich auf den Weg zur Pizzeria – hungrig, aber zufrieden.
Was folgte, war ein kleines Erdbeben in der Gastro- und Finanzwelt.
Denn:
– Der Algorithmus der Bank interpretierte den Text als offizielles Buy-Rating.
– Die Aktie der **Italino Group AG** schoss in wenigen Stunden um 18 % nach oben.
– Finanzportale lobten Bentz für seine neue „genussorientierte Analyse“
– Und die echte Pizzeria Italino?
– Stand am Abend schlangeweise voll mit Broker-Typen, die „das Investment testen“ wollten.
Herr Bentz erfuhr davon erst, als ihn sein Chef anrief:
„Sag mal, seit wann analysieren wir Pasta nach EBITDA?“
Seitdem gilt er intern als der Mann, der den Begriff „Schmeckt-Aktie“ erfunden hat.
Moral der Geschichte: Auch die beste Marktanalyse ist nur einen Mausklick vom Pizzabelag entfernt – und manchmal zahlt sich Hunger an der Börse eben doch aus.
Sonntag, 17. August 2025
17.8.2025: Die Aktie, die nur stieg, wenn der Hausmeister im Urlaub war
Die Investmentfirma „Trend & Taler GmbH“ war bekannt für alles – nur nicht für Logik. Ihre erfolgreichste Aktie war nicht die Tech-Perle oder der grüne Hoffnungsträger, sondern: „Ventilo AG“, ein unscheinbarer Hersteller von Standventilatoren.
Niemand wusste so recht, warum der Kurs regelmäßig stieg – **aber nur in den Wochen, in denen der Hausmeister Herr Klausen im Urlaub war.**
Zufall? Oder göttliches Timing?
Die erste, die es bemerkte, war Praktikantin Lena. Sie führte penibel eine Liste mit Kursbewegungen, Wetterdaten und Putzplänen (aus purer Langeweile) und stellte fest:
– Wenn Klausen da war: Ventilo dümpelte.
– Wenn Klausen weg war: Ventilo explodierte.
Sie erwähnte es scherzhaft beim Mittagessen:
„Vielleicht schaltet der Hausmeister die Klimaanlage aus, wenn er geht – und dann kaufen alle Ventilatoren?“
Die Trader lachten. Dann wurden sie nachdenklich.
Und dann wurde es zu einer ernst gemeinten These: **„Der Klausen-Katalysator“**
Ab da wurden Klausens Urlaubszeiten zum offiziellen Bestandteil des Investmentkalenders.
– Quartalsberichte? Egal.
– Zentralbankentscheidungen? Nett.
– Klausen auf Malle? BUY
Einmal wurde sogar versucht, ihn mit Bonusurlaub zu ködern, um den Kurs künstlich zu pushen. Der Compliance-Officer verdrehte die Augen.
Das Highlight: Ein Ex-Analyst veröffentlichte einen Artikel mit dem Titel:
**„Facility Management als unterschätzter Marktindikator – am Beispiel Ventilo AG.“
Er wurde ernsthaft auf eine Konferenz eingeladen.
Klausen selbst?
Der erfuhr davon aus der Zeitung.
Er lachte, zuckte mit den Schultern und sagte:
„Also wenn mein Fehlen den Kurs steigen lässt – soll ich dann einfach in Rente gehen?“
Moral der Geschichte: Manchmal braucht es keinen Chart, keine Analyse und keinen Analysten – manchmal reicht ein Hausmeister mit Fernweh.
Sonntag, 10. August 2025
10.8.2025: Der Börsencrash, der von einem Tippfehler auslöste wurde – in der Kantine
Herr Fröhlich war Kantinenleiter bei der renommierten Investmentbank „Alpha & Verlust“. Sein Risikoprofil war überschaubar, seine Expertise beschränkte sich auf Kartoffelsalat und das optimale Verhältnis von Suppe zu Einlage. Doch an einem grauen Mittwoch schrieb er Börsengeschichte. Unfreiwillig.
Es begann mit dem Mittagsmenü.
Wie jeden Morgen tippte Herr Fröhlich das Tagesangebot in das interne System ein, das aus unerfindlichen Gründen mit dem Intranet der Analystenabteilung verknüpft war (IT-Schnittstellen gelten hier eher als künstlerische Freiheiten denn als logische Konstrukte).
Er wollte schreiben:
**„Menü 2: Putengeschnetzeltes mit Reis“**
Er schrieb:
**„Menü 2: Putsch-Geschnetzeltes mit Reiz“**
Und klickte auf „Veröffentlichen“.
Fünf Minuten später bekam der Sicherheitsdienst eine Mail von einem nervösen Analysten:
„Internes Memo spricht von Putsch. Reizgas involviert? Möglicher Insider-Hinweis auf geopolitische Lage?“
Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer.
– Bloomberg meldete „Hinweise auf instabile Lage bei Alpha & Verlust“
– Ein Finanzblog spekulierte über einen geheimen Regimewechsel in Südamerika
– Ein Hedgefonds begann panisch, südamerikanische Anleihen zu verkaufen
– Die Aktie eines komplett unbeteiligten Geflügelverarbeiters stieg um 18 %
Als Herr Fröhlich wenig später ahnungslos durch die Kantine schlenderte, wurde er von einem Analysten hektisch gefragt:
„Herr Fröhlich! Was genau war denn in Menü 2 los?“
Er, stirnrunzelnd: „Reis. Und… naja, Pute.“
Darauf der Analyst: „Also *kein Putsch*. Und *kein Reizgas*?“
„Nicht mehr als sonst.“
Erst am Nachmittag konnte die Kommunikationsabteilung die Situation klären. Der Börsenkurs stabilisierte sich – und Herr Fröhlich wurde gebeten, in Zukunft sein Tagesmenü **nicht mehr mit Autokorrektur** zu schreiben.
**Moral der Geschichte:** In der Finanzwelt reicht ein Tippfehler beim Mittagessen – und plötzlich steht die Welt in Flammen. Oder auf Reiz-Pute.
Sonntag, 3. August 2025
3.8.2025: Die Aktie, die wegen eines verlorenen Einkaufschips explodierte
Frau Schneider war keine typische Anlegerin. Sie hatte keine Watchlist, kein Depot bei einem hippen Neo-Broker und verstand unter „KGV“ ehrlich gesagt „Käse-Gurken-Verhältnis“. Doch eines Tages geriet sie – völlig unfreiwillig – in das Zentrum eines Börsenspektakels.
Es begann beim Supermarkt. Frau Schneider stand wie immer an der Einkaufswagenschlange, als sie feststellte: **Kein Chip. Keine Münze. Keine Chance.**
In ihrer Verzweiflung kramte sie in ihrer Tasche – und zog ein altmodisches Werbegeschenk hervor: Einen Chip mit der Aufschrift:
> **"Coin4Cart – Die Blockchain-Lösung für Einkaufswagenprobleme."**
„Klingt… modern“, murmelte sie und steckte das Ding in den Wagen. Es funktionierte. Doch beim Hineinfahren ins Geschäft ließ sie das Teil versehentlich im Wagen liegen. Der Chip fiel klappernd auf den Boden.
Ein Teenager, der das Ganze beobachtet hatte, hob ihn auf, scannte den QR-Code auf der Rückseite und landete auf der Homepage von Coin4Cart – einem winzigen Start-up, das niemand kannte, das aber angeblich „die letzte analoge Lücke der Welt digitalisiert“: das Einkaufswagensystem.
Der Teenager war Influencer mit 2,1 Millionen Followern auf TikTok. Noch am selben Abend postete er ein Video:
> „Diese Frau hat mir den coolsten Coin überhaupt überlassen – sie ist die Satoshi Nakamoto der Supermarktgänge!“
Innerhalb von 24 Stunden stieg die Aktie von Coin4Cart um 500 %.
Die Webseite stürzte ab.
Ein Onkel aus Bottrop gründete ein CoinFanForum.
Und irgendwo in Berlin beantragte jemand ernsthaft eine Lizenz für einen **Einkaufswagen-ETF.**
Frau Schneider erfuhr von alledem – nichts.
Erst als ihr Neffe sie besorgt fragte: „Tante, bist du jetzt reich? Ich hab dich auf TikTok gesehen, wie du revolutionär einen Einkaufswagen schiebst!“, wurde sie neugierig.
Sie googelte. Sie lachte. Und sie tat das einzig Logische:
Sie kaufte 50 Coin4Cart-Chips für 99 Cent das Stück – und verkaufte sie auf eBay für 49 € pro Stück als „Original-Investorinnen-Memorabilia“.
**Moral der Geschichte:** Manchmal braucht es keine App, keinen Algorithmus und keine Ahnung – manchmal reicht ein Einkaufschip, der zu Boden fällt… und die Börse gleich mit in die Höhe reißt.
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