Herr Dr. Ludwig Kleinschmidt war kein gewöhnlicher Fondsmanager. Nein, er war ein Mann der alten Schule. Krawatte bei 30 Grad? Pflicht. Faxgerät im Büro? Natürlich. Bloomberg-Terminal? Nur zur Deko – denn seine eigentliche Informationsquelle war: **Kaffeesatz**.
Niemand in der Bank wusste so recht, wann diese Leidenschaft begonnen hatte. Manche vermuteten, es sei ein Unfall mit einem Espresso und einem Börsenprospekt gewesen. Andere sagten, Kleinschmidt sei nach einem misslungenen Value-Investing-Seminar einfach in die Esoterik abgebogen.
Fest stand: Jeden Morgen nach dem dritten Kaffee blickte er feierlich in die Tasse, drehte sie dreimal, murmelte etwas von „Zinswendeenergie“ und „Rohstoffchakra“ – und traf dann seine Investitionsentscheidungen.
Eines Tages blickte er besonders lange in den Satz. Seine Stirn legte sich in Falten wie ein Chart nach einer Zinsentscheidung. Dann nickte er.
> „Heute kaufen wir Lithium. Viel Lithium.“
Der Assistent fragte vorsichtig: „Wegen der Elektromobilität, Chef?“
Kleinschmidt: „Nein. Da. Schau. Siehst du das da? Das sieht aus wie ein Tesla-Logo mit Hut.“
Man investierte. Die Position ging durch die Decke.
Am nächsten Tag: „Wir gehen short auf Krypto.“
Begründung: „Der Kaffeesatz hat gezittert.“
Auch das passte. Bitcoin krachte um 12 %. Kleinschmidt wurde zur Legende. Kunden wollten keine Factsheets mehr, sondern **eine Livekamera auf die Kaffeemaschine.**
Ein ETF-Anbieter bot an, einen **„Coffee Alpha Fund“** aufzulegen. Das Maskottchen: eine Bohne mit Krawatte.
Doch dann kam der Tag, an dem der Kaffee über Nacht im Büro kalt wurde. Der Satz war verwässert. Kleinschmidt interpretierte das als Zeichen für „alles verkaufen“.
Er liquidierte den Fonds. Zwei Tage später begann eine Rallye historischen Ausmaßes.
Sein Kommentar:
> „Kaffee lügt nie. Nur manchmal flüstert er in Sprachen, die der Markt nicht versteht.“
Moral der Geschichte: Zwischen Koffein und Kapital liegt manchmal nur ein Schluck Wahnsinn – aber hey, wenn’s läuft, läuft’s
Sonntag, 26. Oktober 2025
26.10.2025: Der Fondsmanager und das Kaffeesatz-Orakel
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