Herr Neumann war ein strukturierter Mensch. Zumindest glaubte er das. Er hatte Listen für alles: To-dos, Urlaubsziele, Serien, die er „irgendwann mal“ schauen wollte – und natürlich eine **Watchlist** für Aktien.
Eines Samstags ging er einkaufen. Supermarkt, Zettel, Brille auf der Nase. Seine Frau hatte ihm eine kurze Liste geschrieben:
Milch, Brot, Käse, Tomaten.
Herr Neumann nickte, zog sein Handy aus der Tasche und öffnete – aus Gewohnheit – seine Börsen-App. Dort stand ganz oben seine Watchlist:
SAP, Siemens, Nvidia, irgendwas mit Bio, irgendwas mit AI.
„Ah ja“, murmelte er. „Die stehen schon länger drauf.“
Im Supermarkt lief alles wie im Rausch.
Milch? Klar.
Brot? Sicher.
Nvidia? Moment…
Zuhause angekommen, packte er die Einkäufe aus. Seine Frau schaute irritiert in die Tüten.
„Warum haben wir drei Sorten Käse, keinen Salat – und warum hast du gerade 2.000 Euro in einen Halbleiterhersteller investiert?“
Herr Neumann blinzelte.
„Äh… Stand auf der Liste?“
Er überprüfte sein Handy. Tatsächlich. Beim Gemüseregal hatte er reflexartig auf „Kaufen“ gedrückt. Market Order. Ohne nachzudenken.
„Na gut“, sagte er gelassen. „Dann ist das eben ein langfristiges Investment.“
Zwei Wochen später war die Aktie 18 % im Plus. Seine Frau sagte trocken:
„Dann schreib beim nächsten Einkauf bitte auch noch ‚ETF‘ und ‚Dividende‘ auf.“
Seitdem gilt bei Familie Neumann eine klare Regel:
Einkaufslisten kommen auf Papier.
Watchlists bleiben an der Börse.
Moral der Geschichte:
Man sollte Einkaufszettel und Watchlist nicht verwechseln – außer, man mag Überraschungen. Manche sind teuer. Manche schmecken nicht. Und manche steigen plötzlich zweistellig.
Sonntag, 1. März 2026
1.3.2026: Der Anleger, der seine Watchlist für eine Einkaufsliste hielt
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