Herr Peters war neu an der Börse. Also nicht ganz neu – er hatte immerhin schon drei YouTube-Videos gesehen und wusste, dass man „ruhig bleiben“ sollte, wenn es kracht. Was ihm allerdings fehlte, war Erfahrung. Und manchmal: Grundverständnis.
Eines Morgens las er in einem Börsenkommentar den Satz:
> „Die Märkte bewegen sich aktuell seitwärts.“
Herr Peters runzelte die Stirn. Seitwärts?
Er öffnete den Chart, drehte den Laptop leicht nach links, dann nach rechts, hielt den Kopf schief – nichts half. Die Kurse bewegten sich eindeutig **nach unten**.
„Aha“, murmelte er. „Seitwärts nach unten.“
Er beschloss, entsprechend zu handeln. Wenn der Markt seitwärts läuft, müsse man eben **mitgehen**, dachte er. Also kaufte er. Nicht wenig. Schließlich wollte er nicht gegen den Trend investieren.
Am nächsten Tag fiel der Markt weiter. Herr Peters blieb gelassen.
„Seitwärtsphase“, erklärte er sich selbst. „Dauert halt.“
Nach einer Woche Minus fragte ihn ein Freund vorsichtig:
„Sag mal, warum kaufst du eigentlich immer weiter nach?“
Herr Peters antwortete selbstbewusst:
„Weil der Markt seitwärts läuft. Irgendwann muss er ja am Ende der Seitwärtsstrecke ankommen.“
„Und was kommt dann?“
„Na, rechts. Oder links. Aber ich bin schon mal drin.“
Als der Markt sich zwei Wochen später tatsächlich erholte, war Herr Peters euphorisch.
„Siehst du! Genau wie gedacht!“
Sein Depot war trotzdem im Minus. Warum? Weil er unterwegs konsequent an den falschen Stellen „mitgegangen“ war.
Herr Peters zuckte mit den Schultern.
„Immerhin habe ich den Markt verstanden“, sagte er zufrieden. „Er bewegt sich. Man weiß nur nie wohin.“
Moral der Geschichte:
Ein Seitwärtsmarkt ist keine Richtung, sondern ein Zustand. Wer trotzdem losläuft, kommt vielleicht an – aber selten dort, wo er wollte.
Sonntag, 8. März 2026
8.3.2026: Der Anleger, der dachte, „Seitwärtsmarkt“ sei eine Richtung
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