Herr Fuchs hatte immer einen Plan. Also zumindest das Gefühl, einen zu haben. Besonders an der Börse. Dort war sein wichtigster Gedanke nicht: *Wie investiere ich richtig?* sondern: *Wie komme ich hier im Notfall wieder raus?*
Jede Position in seinem Depot wurde von Anfang an mit einem gedanklichen Fluchtweg versehen.
„Hier steige ich ein“, sagte er – und ergänzte sofort: „…aber nur, falls ich auch schnell wieder weg kann.“
Er liebte Aktien mit viel Volumen. Nicht wegen der Liquidität, sondern wegen der inneren Ruhe.
„Wenn’s brennt, ist hier der Notausgang breit genug“, murmelte er zufrieden.
Bei ruhigen Kursverläufen wurde Herr Fuchs nervös.
„Zu still“, sagte er misstrauisch. „Genau dann passiert was.“
Er reduzierte vorsorglich die Position. Sicherheitshalber. Man weiß ja nie.
Einmal stieg eine Aktie stark an. Herr Fuchs freute sich kurz – dann begann er hektisch zu planen.
„Okay, wenn das jetzt kippt, verkaufe ich hier. Oder hier. Oder sofort.“
Er verkaufte sofort. Der Kurs stieg weiter. Herr Fuchs nickte ernst.
„Gut gegangen.“
Besonders wohl fühlte er sich an Tagen, an denen der Markt schwankte, aber nichts Entscheidendes passierte.
„Ideales Übungsszenario“, erklärte er. „Ein- und Aussteigen ohne echtes Risiko.“
Seine Freunde fragten ihn manchmal, warum er nie lange investiert sei.
Herr Fuchs lächelte.
„Ich bin nicht ungeduldig“, sagte er. „Ich bin vorbereitet.“
Abends schloss er die Börsen-App mit dem beruhigenden Gefühl, jederzeit handlungsfähig zu sein.
Am nächsten Morgen öffnete er sie wieder – nur um kurz zu prüfen, wo heute die Ausgänge sind.
Sonntag, 7. Juni 2026
7.6.2026: Der Anleger, der sein Depot für einen Escape-Plan hielt
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